Aeschi Time Line

933

Kirche von Aeschi durch Rudolf von Strättligen, König von Neuburgund, gestiftet

1228

Erste urkundliche Erwähnung der Kirche Aeschi

1352

Thüring von Brandis verkauft die Landschaft Mülenen-Aeschi (die heutigen Gemeinden Aeschi und Reichenbach) an die Stadt Bern. 

1445

„böser Bund“ von Aeschi gegen Kriegsdienste und hohe Abgaben an die Stadt Bern  

1469

Landrecht mit Erbschaftsbestimmungen vom Rat zu Bern erhalten

1488

Vermuteter Baubeginn der heutigen Kirche

1517

Grössere bauliche Arbeiten an der Kirche dauern bis 1520

1522

Freiheitsort in des Kilchherrn Haus bestätigt

1528

Reformationsmandat erlassen, Aufstand in Aeschi gegen den neuen Glauben, Teilnahme von Aeschi am Interlakner-Aufstand, Einsatz bernischer Truppen im Berner Oblerland im Oktober und November, Ende des Aufstandes um Mitte November. Aeschi war nun reformiert 

1557

Erste festgehaltene Besteigung des Niesen durch Professor Benedikt Marti

1615

Erste Schule in Aeschi gegründet

1669

313 Aeschiner sterben an der Pest (fast 50% der Bevölkerung)

1675

Der Kleine Rat von Bern erlässt das neue Landrecht

1775

Jakob Isler erstellt ein Bad auf der Heustrich Weyd

1785

Erste Orgel in der Kirche installiert

1831

Überschwemmung in Mülenen

1833

Bau des Schulhauses in Aeschiried

1853

Hondrichstrasse geplant und gebaut

1858

Erster Schulunterricht in Emdtal

1866

Die gemeinsame Feuerwehr Aeschi-Krattigen wird aufgelöst

1867

Telegrafenverbindung zum Heustrich Bad

1873

Bau des Schulhauses im Emdtal

1874

Baubeginn der Strasse Leissigen - Mülenen

1885

Auguste Baud-Bovy reist erstmals nach Aeschi

1893

Postkutschenverbindung zwischen Spiez und Aeschi bewilligt

1898

Verkehrsverein gegründet

1899

Auguste Baud-Bovy stirbt in Davos

1900

Wasserversorgung Aeschi – Spiez beginnt Wasserleitungen zu verlegen

1904

Elektrische Strassenbeleuchtung eingerichtet

1923

Erste Fahrt der Auto AG SKA zwischen Aeschi und Spiez

1932

Heustrich Bad brennt nieder

1934

Beginn der  Asphaltierung der Strassen

1950

Feuerwehr Aeschi erhält die erste Motorspritze

1962

Bau des Wasserreservoirs auf dem Wachthubel

1962

Pikettzug der Feuerwehr Aeschi gegründet

1967

Bezug Sekundarschulhaus im Dorf

1968

Suldtal unter Natur- und Pflanzenschutz gestellt

1975

Erster Weber-Kugelgrill in Aeschi

1978

Bau des Hallenbads

1980

Bau des Gemeindesaales

1985

Bau des Werkhofs Mustermattli

2001

Gemeinde Aeschi im Internet

2008

Fertigstellung der Umfahrung Emdtal

Porträt der Gemeinde

Landschaft

Der Berg (der Niesen vom Suldtal aus), Auguste Baud-Bovy, 1895 (Musée d'art et d'histoire, Genf)

Aeschi liegt auf dem Bergrücken zwischen Morgenberghorn und Hondrichhügel.  Diese schöne Lage verdankt Aeschi den Kander- und Aaregletschern, welche nach Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10'000 Jahren eine mächtige Mittelmoräne zurück liessen.  Es ist kaum zu glauben, dass fast das gesamte Gemeindegebiet  unter einer dicken Eisschicht, deren Obergrenze auf ca. 1’400m.ü.M. lag, begraben war.  Der Dorfkern liegt nun auf ca. 850m ü. M.  Das Gemeindegebiet umfasst auch Aeschiried, das Suldtal und das Kandertal im Bereich Mülenen-Emdtal. Als Wahrzeichen für die Gegend steht der Niesen.  So hat ihn Baud-Bovy 1895 vom Suldtal aus verewigt.   Kein anderer Berg ist so unverwechselbar wie er.  Seine Pyramidenform ist bis ins Berner Mittelland leicht zu erkennen. Von fast überall in Aeschi geniesst man eine freie Aussicht zu Stockhorn, Längenberg, Belpberg bis hin zu den Jurahöhen und über den Thunersee zu Sigriswilergrat, Justistal und Niederhorn.  Oestlich schweift der Blick über den Brienzersee zum Brienzerrothorn.  Das schönste Panorama geniesst man von der Aeschiallmend aus. 

Zahlen und Fakten

Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 31.00 km2.  Davon sind etwa 8.33 km2 Wald.  Heute hat Aeschi 2225 Einwohner (Oktober 2015), davon sind 1702 stimmberechtigt.

Historisches

Interessantes über die Gemeinde Aeschi gibt es zu lesen in „Aeschi aus Geschichte und Heimatkunde“ von Walter Stalder, Berner Heimatbücher Nr. 139, oder „Aeschi“ von Walter Stalder, Berner Heimatbücher Nr. 86, beide Verlag Paul Haupt Bern, oder in „Das Frutigland“ von Karl Stettler, Frutigland-Verlag.

Der Name Aeschi stammt aus dem Althochdeutsch.  „Askahe“, was heute als „Eschenwäldchen“ übersetzt wird, nahm Bezug auf die vielen Eschen, die in dieser Gegend wuchsen und immer noch zum Vorschein kommen.  1228 wurde er als “Assches“ oder „Ashes“, 1361 als „Esse“, 1453 als „Eschy“ geschrieben.  Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit der Name “Aeschi“, der seit dem 16. Jahrhundert gebraucht wird. 

Erste menschliche Spuren

Schon in der Bronzezeit, die etwa um 2000 v. Chr. begann, müssen sich Menschen in  unserer Gegend aufgehalten haben; verschiedene alte Fundgegenstände in Heustrich, Aeschi, Krattigen und andern Orten bezeugen dies. In der folgenden Eisenzeit – etwa um 800 v. Chr. – siedelten die Helvetier (Teil des grossen Keltenvolkes) in unserer Gegend – oberhalb von Aeschi fand man z. B. ein Grab aus jener Zeit. Die meisten Flussnamen in der Schweiz haben eine keltische Herkunft, so auch Aare, Kander und Suld.

Die Römer (58 v. Chr. – ca. 400 n. Chr.) und die Alemannen (ab 400 n. Chr.)

Die Römer griffen 58 v. Chr. das helvetische Heer an, besiegten es schliesslich und führten in den folgenden Jahren Krieg gegen alle keltischen Stämme. Obwohl die Römer von jetzt an die Herren der Helvetier waren, behielten letztere grundsätzlich ihre keltische Sprache, nahmen aber manches Wort von den Römern auf. Im Kandertal gibt es viele Namen solcher Herkunft, in Aeschi aber nur einen, nämlich „Lattreyen“. Dieser Name tönt ähnlich wie ital. „latte“ und franz. „lait“. Offenbar wurden auf Lattreyen schon in alten Zeiten Kühe gealpt. Die Alemannen (germanische Stämme aus dem Nordosten) verdrängten die Römer. Die Helvetier konnten noch einige Zeit die Alemannen zurückhalten. Im Jahr 454 jedoch gelang es den Alemannen die Verteidigungslinien zu durchbrechen und sich in einem grossen Teil der Schweiz anzusiedeln – so auch in unserer Gegend. Die alemannischen Rodungssiedler benannten ihre Dörfer nach ihrem Sippenführer. So hiess das Dorf des „Fruto“ Frutigen. Alle Ortschaften, deren Namen mit „ingen“ oder „igen“ enden, sind alemannisch. Aeschi gehört nicht dazu. Wahrscheinlich wurde es erst von den Alemannen besiedelt, als andernorts das Land knapp wurde.

Burg und Städtchen Mülenen

1240 wird der Ort erstmals als „Molendino“ erwähnt. Hier liess sich der Zugang zum Kandertal sehr gut kontrollieren und verteidigen. Besitzer waren die Freiherren von Kien, die wahrscheinlich in Mülenen eine Burg und die Letzimauern bauen liessen. 1254 wird Werner von Kien als Besitzer von Mülenen erwähnt. 1304 tauchen urkundlich erwähnt die Herren von Wädiswil als Erben auf; sie nannten sich auch Herren von Mülenen. Ihnen gehörte ebenfalls die Tellenburg bei Frutigen. So beherrschten sie während einiger Zeit das ganze Tal. Bald aber gelangten sie in Konflikt mit der Stadt Bern. Die Berner erschienen im Tal und verbrannten in Frutigen einige Häuser und die Kirche. Es wird angenommen, dass damals auch die Burg Mülenen zerstört wurde. Eine neue Burg wurde bald etwas erhöht wieder aufgebaut. Bei Bauarbeiten im Jahr 1941 stiess man auf die Grundmauern der beiden Burgen. Beidseitig der Stadtmauer sperrte eine Letzimauer – heute bei der Umfahrungsstrasse teilweise wieder sichtbar - den Talboden ab. Die „Herrschaft Mülenen“ wechselte mehrmals den Besitzer. 1352 verkaufte der Ritter Thüring von Brandis die Herrschaft Mülenen an Bern. Dazu gehörten ebenfalls Reudlen und Wengi, viele Güter und auch Rechte in den heutigen Gemeinden Aeschi und Reichenbach, ferner die Kirche und der Kirchensatz (das Recht einen Pfarrer einzusetzen) von Aeschi. Das Gebiet der Gemeinden Aeschi und Reichenbach hiess nun nicht mehr Herrschaft Mülenen, sondern „Landschaft Mülenen-Aeschi“, später einfach „Landschaft Aeschi“. In der Burg setzten die Berner ihren Burger Conrad von Scharnachtal als Vogt ein. Um 1400 gelangten die Tellenburg und der ganze obere Teil des Tales käuflich in den Besitz der Stadt Bern. Diese setzte in Frutigen einen Kastlan (Statthalter) als ihren Vertreter ein. 1523 unterstellte sie die Landschaft Aeschi dem Kastlan auf der Tellenburg. Die Burg Mülenen benötigte man nicht mehr, und sie zerfiel nach und nach, ebenso die Letzimauer.

„Landschaft Aeschi“

Die Landrechte von 1469 und 1675 bewiesen, dass die Landschaft Aeschi Manches nach eigenem Gutfinden regeln konnte. Zudem besass Aeschi das Recht zu freiem Handel. Freilich mussten bei wichtigen Angelegenheiten der Schultheiss und der Rat von Bern ihre Genehmigung geben. Alle militärischen Angelegenheiten aber wurden von Bern aus verfügt. Das Landrecht von Aeschi war bis 1835 massgebend.

Die Kirche

Die Kirche Aeschi hat ihren Ursprung im 10. Jahrhundert. Eine Chronik erzählt, dass in den Jahren nach 930 der hochburgundische König Rudolf II. rund um den Thunersee 12 Kirchen im romanischen Stil bauen liess: Uttigen, Thierachern, Hilterfingen, Sigriswil, Thun, Scherzligen, Frutigen, Wimmis, Leissigen, Amsoldingen, Spiez und Aeschi. Die Kirche Aeschi wurde mehrmals umgebaut. 1957 fand man bei einer Probegrabung unter dem erhöhten Chor die runde Chormauer einer romanischen Kirche. Aeschi gehörte zum Bistum Lausanne. Aus dem Jahre 1228 gibt es ein Verzeichnis sämtlicher Kirchen des Bistums. Aeschi ist darin mit dem Namen „Ashes“ erstmals urkundlich erwähnt. 1528 wurde Aeschi reformiert und 1539 löste sich die selbständig gewordene Kirchgemeinde Reichenbach von Mülenen-Aeschi ab. Das Pfarrhaus in Aeschi galt als Freistätte für allerlei Übeltäter. Wer sich dorthin flüchtete, war drei Tage und sechs Wochen sicher. Wenn er nach dieser Zeit drei Schritte vor das Dachtrauf machte und wieder ins Pfarrhaus zurückkehrte, war er wieder für drei Tage und sechs Wochen geschützt.

 

Zusammenstellung nach:

·         Stalder, Walter: Aeschi: aus Geschichte und Heimatkunde, Bern, 1991

·         Das Frutigbuch, Bern 1977

·         Stettler, Karl: Das Frutigland, Bern, 1987

·         Zentralstelle für Lehrerbildung: Regionalgruppe Kandertal, Köniz 1987