Auguste Baud-Bovy, 1848 -1899

Auguste Baud wurde im Jahre 1848 in Genf geboren. Nach einer glücklichen Jugendzeit wünschte er Maler zu werden. Endlich erhielt er die Erlaubnis, dem Unterricht des berühmten Meisters BartheIemy Menn zu folgen und wurde ein bevorzugter Schüler desselben. Mit 20 Jahren vermählte er sich mit Zoe Bovy, die selber einer Künstlerfamilie entstammte und mit ihren Emailmalereien bekannt geworden war.

Glück, Thunersee von Krattigen aus, 1896
Das Dorf Aeschi, Auguste Baud-Bovy, 1890
Ein Morgen in einem Garten in Aeschi, 1889

Auguste Baud-Bovy wirkte hierauf als Professor an der Kunstschule, was ihn jedoch nicht voll befriedigte. Er malte Porträts und stellte mit Erfolg in Paris aus. Anlässlich eines Studienaufenthaltes in Spanien lernte er die großen spanischen Meister kennen.

Nach seiner Rückkehr gefiel ihm sein Amt in Genf noch weniger als vorher, und er zog, dem Rate einiger Freunde folgend, mit seiner Frau und den beiden Kindern im Jahre 1882 nach Paris. Dort lebte er unter Enttäuschungen und Entbehrungen grausamer Art. Um existieren zu können, malte er Porträts von Weltleuten, die ihm gleichgültig waren. Wohl boten ihm die Kunstmuseen viel, aber seine eigenen Werke befriedigten ihn nicht.

Ein Sonntagmorgen in Aeschi, 1898

Er hatte das Gefühl, seine Fähigkeiten nicht voll ausnützen zu können. Er suchte sich selbst. Dann kam das Heimweh nach den Bergen. Die Erinnerungen an zwei im Turtmanntal einsam verbrachte Monate verfolgten ihn die ganze Zeit, und er begann beinahe fieberhaft alles zu lesen, was je über die Schweiz geschrieben worden war.

Schliesslich reiste der Maler im Jahre 1885, einen kleinen Glückswechsel benützend, mit den Seinen nach der Schweiz, um sich in dem damals noch fast unbekannten Dörfchen Aeschi, das ihm ein Bekannter geschildert hatte, vorübergehend niederzulassen. Er fand Unterkunft im alten «Bären». Ein neues Leben begann für ihn. Seine Familie liess er im Dorf zurück, er selbst aber nahm sein Standquartier auf der damals sehr einsamen Bundalp bei Familie Lengacher, um sich mit dem Leben derjenigen, die er malen wollte, völlig vertraut zu machen. Jetzt verschwand sein sorgenvolles Gesicht. Er war fröhlich, erkletterte die benachbarten Berggipfel oder mass seine Kräfte im Schwingen mit den Sennen. Braungebrannt und voller Lebenskraft kehrte er im Herbst mit der Herde zu Tal und malte noch im Suldtal den «kesselputzenden Sennen». In den beiden folgenden Sommern malte er auf dem Burgli und im Dürrenberg. Christian Lengacher aus Aeschiried war sein Helfer und diente ihm auch als Modell. Hier entstanden einige seiner schönsten Sennenbilder.

Aus festem Entschluss verliess Auguste Baud-Bovy mit seiner Familie nun im folgenden Jahr Paris und siedelte sich endgültig in Aeschi in einem kleinen Bauernhause an. Da hielt er sich in der Folge am meisten auf und fühlte sich heimisch. Eine ausserordentliche Schaffenskraft war ihm beschieden. Er hatte sich nicht geirrt: Nicht Paris, sondern einzig die Luft der Berge und das Leben unter einer einfachen Bevölkerung konnte ihn auf die höchste Stufe seiner Künstlertätigkeit bringen.

Holzabfahrt in den Berner Alpen, 1890
Der Berg (der Niesen von Suldtal aus), 1895

Zwischenhinein zog er immer wieder für längere Zeit in die Berge, wo er sogar oft im Winter malte. So entstand 1890 auf der Aeschiallmend bei großer Kälte der «Holzschlittler», eines seiner bedeutendsten Werke, gleichzeitig das letzte seiner Älpler- und Bauernbilder. In den folgenden Jahren malte er nur noch Landschaften.

Unterdessen wurde sein Werk anerkannt. In Paris stellte Baud-Bovy alljährlich aus. Mehrere seiner Gemälde wurden für französische Museen angekauft. In Aeschi beabsichtigte man nun, dem beliebten Maler das Ehrenbürgerrecht zu schenken. Zum Dank für die Zuneigung der ansässigen Bevölkerung schenkte er der Gemeinde den «Holzschlittler», der sich jetzt im Saal des Hotels Niesen befindet (Anmerkung der Redaktion: Heute befindet sich das Bild im Gemeindesaal).

Es folgten Jahre der Krankheit. Im Sommer 1898 malte er in Aeschi seine zwei letzten Bilder. Eines der beiden, der strahlende «Sommermorgen», wurde als «poème d'Aeschi» bezeichnet.

Erste Schatten, Eingang des Suldtals, Aeschi, 1898

Am 3. Juni 1899 starb der Maler in Davos. Er wurde in Aeschi beerdigt. Dieselben Männer, die ihn so oft in die Berge begleitet hatten, trugen ihn auf den Friedhof. Dort findet man noch heute sein Grab neben denjenigen seiner Frau und seines Sohnes.

Aus „Aeschi“ von Walter Stalder, Verlag Paul Haupt Bern, 1962 (Berner Heimatbücher  Nr. 86)
Lioba! (Oberländer Alpsenn, seine Herde zurückrufend, 1886
Salzfütterung, 1887
Katzenegg (Berg in den Wolken), 1893